Pressestimmen über Voicehouse

Der Fundus wird zum Tonstudio

Artikel aus "Deister-Leine-Zeitung"

Die Stimme ist ein kostbares Instrument, das gepflegt und trainiert werden muss, damit es im entscheidenden Moment klangschön funktioniert. Dieses Training wird umso wichtiger, wenn man auf der Bühne nicht nur singen, sondern gleichzeitig auch noch tanzen, schauspielern und ein mehrere Kilogramm schweres Kostüm bewegen muss.

In wenigen Wochen ist Premiere und die Darsteller lernen bei ihrer Lehrerin etwas, das so simpel klingt, wie es schwierig ist: Sie lernen, ihren Atem zu gebrauchen. Für diesen Zweck wurde der Kostümfundus des Spielerheims kurzerhand zum Tonstudio umfunktioniert. „Und im ewigen Kreis dreht sich unser Leben, dem Gesetz der Natur sind wir geweiht“, singt hier Cornelia Heydenbluth mit voller Stimme und Petra Oldenburg steht neben ihr, singt kaum hörbar mit, gestikuliert und ruft dazwischen: „Tief ins Zwerchfell atmen!“ Und: „An die Haltung denken!“ Und dann feuert sie an: „Ja! Genau! Weiter so!“ Dann ist das Lied auch schon vorbei und die Lehrerin zufrieden.

In der Rolle des weisen Schamanen Rafiki spielt Cornelia Heydenbluth Simbas Lehrer und spirituellen Lebensbegleiter und besetzt somit eine der Hauptrollen in dem Theaterstück. „Am Anfang fiel es mir schwer, die hohen Töne zu treffen und gleichzeitig auch noch laut genug zu singen“, erinnert sich die 36-Jährige an ihre ersten Gesangsstunden. Aber mittlerweile hat sie gelernt, dass die Kraft zum Singen nicht aus dem Kehlkopf, sondern ganz tief aus dem Bauch kommt.

"Meine Aufgabe ist es, mit den Sängern Techniken zu entwickeln, damit ihre Stimme hält und gut durch die Saison kommt“, erklärt Petra Oldenburg. Als Inhaberin von „Voicehouse“, einer Musikschule für modernen Gesang in Hannover, kennt sie die Methoden, die ein optimales Gesangscoaching ausmachen. Dazu gehören Lockerungs- und Haltungsübungen ebenso wie Stretching („Gesang ist Sport“) oder Atemübungen („Wir müssen den Atemstrom nach vorne bringen“) bis hin zu einem Sprechtraining, das etwa auf dem Vokal A folgendermaßen beginnt: „Asam saß ganz nah am Rastplatz, war gar ratsam, sprach gar langsam...“ Der Text ist absolut sinnfrei, schult allerdings Artikulation und Aussprache, und somit eine wichtige Eigenschaft des singenden Schauspielers: die Wandlungsfähigkeit der Stimme.

Für die musikalische Vorbereitung zeichnete erneut Oliver Hartmann verantwortlich, der in diesem Jahr bereits zum fünften Mal mit den Schauspielern zusammenarbeitet. Die Aufgabe des Mediengestalters aus Stadthagen bestand zunächst darin, die Lieder des Stückes zu reproduzieren und auf die Stimmlage und gesanglichen Möglichkeiten der Sänger zu überarbeiten. Er synchronisierte die Musikstücke taktgenau in ein Produktionsprogramm, mit dem man beliebige Teile immer wieder abspielen kann. „Für unsere Übungszwecke ist das optimal“, lobt Petra Oldenburg, die mit den Sängern anfangs mit, später dann ohne die technische Melodieführung übt.

Und voll es Lobes ist auch Herma Dreyer, die mit ihrer 70-köpfigen Truppe jetzt langsam raus will, um auf der großen Bühnenlandschaft weiter zu proben. „Es ist schon bewundernswert, mit wie viel Motivation und Fleiß unsere Spieler bei der Sache sind“, freut sich die Regisseurin, die mit „Simba, König der Löwen“ erstmalig ein Stück einstudiert, in dem viel gesungen wird. „Aber Petra Oldenburg hat mit so viel Geduld und Können die Stimmbildung unserer Schauspieler geschult, dass ich mir darum keine Sorgen mache“, schaut sie der Saison zuversichtlich entgegen.

„Hakuna Matata“ – „Keine Sorgen“ – so lautet auch die Philosophie der beiden nächsten Sänger, die nach Cornelia Heydenbluth an der Reihe sind, um mit Petra Oldenburg zu proben. Das witzige Duo Harry Karrasch (als das kleine Erdmännchen Timon) und Jürgen Rudloff (als gutmütiger Keiler Pumbaa) erreicht das Studio bereits singend, die beiden Schauspieler stülpen sich die schweren Kostüme über und sagen gut gelaunt das, was alle anderen denken: „So eine Superstimmung wie in diesem Jahr hatten wir schon lange nicht mehr in der Truppe.“ Am 23. Mai findet um 16 Uhr die Premiere von „Simba, König der Löwen“ statt, und es spricht vieles dafür, dass sich das Ensemble um Herma Dreyer erneut auf eine erfolgreiche Saison freuen kann. Hakuna Matata.